Gastbeitrag: Googles "Search, plus Your World" aus Tourismus-Marketing Sicht




Veröffentlicht durch Johannes Storch
25.1.2012




Dieser Gastbeitrag von Eric Horster wurde erstmalig am 11. Januar 2012 auf dem Blog des Autors veröffentlicht. Eric Horster ist Promotionsstipendiat des Innovations-Inkubators an der Leuphana Universität Lüneburg. Er forscht zum Thema “Online-Reputation Management im Tourismus” bei Prof. Dr. Kreilkamp und lehrt an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Hochschule Bremen. In der Praxis berät und schult er touristische Unternehmen im Online Marketing.


Die Änderungen des neuen Google Algorithmus fasst Amit Singhal von Google treffend wie folgt zusammen: „Wir verwandeln Google in eine Suchmaschine, die nicht nur Inhalte versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen“ Quelle

SearchEngineLand spricht gar von: „Google’s search results are undergoing their most radical transformation ever". Auch wenn das Angebot vorerst nur in englischer Sprache und in eingeloggtem Zustand abrufbar ist, ergeben sich für den Tourismus wieder einmal Änderungen - auch wenn vieles davon vorhersehbar war.

What’s new?

In Zukunft werden potenzielle Gäste die Möglichkeit haben, zwischen öffentlichen Suchergebnissen (bei denen Google die Relevanz des Suchbegriffs festlegt) und privaten Ergebnissen (bei denen Fotos, Bewertungen, etc. von Freunden die Relevanz bestimmen) mit einem Klick zu ändern. Eine weitere Kernfunktion des neuen Algorithmus ist das Einblenden von Meinungsführern, die zu einem bestimmten Thema diskutieren. Als letzte, aber weniger für den Tourismus wichtige Funktion wird auch die Suche nach Personen durch das eigene Netzwerk gefiltert. Im Google Blog findet sich eine ausführliche Beschreibung der Änderungen.

Die Google Suche selbst wird zum Social Network

Grundsätzlich bedeutet dies für die Suchmaschinenoptimierung im Tourismus, dass das alte SEO Paradigma jetzt endgültig ad acta gelegt werden muss. Wer jetzt noch meint, mit klassischer Suchmaschinenoptimierung (im Sinne von Keywordoptimierung, etc.) weiter machen zu können, dem sei gesagt: NEIN, im Tourismus wird dies nicht mehr funktionieren! Denn spätestens jetzt wird alles, was im Netz geteilt wird relevant. Das Denken in Netzwerken ist SEO. Der Aufbau einer funktionierenden Community, die über ein Hotel oder eine Destination berichtet, ist SEO.

Wer teilt, der zahlt… noch

Wenn man aber will, dass Inhalte über ein Hotel oder eine Destination im Netz geteilt werden, dann muss man auch die entsprechende Infrastruktur dazu schaffen. Basis dafür ist ein flächendeckendes W-Lan, denn Roaming Gebühren sind das radikale Hemmnis beim Teilen von Inhalten vor Ort. London plant aktuell, diesen Schritt zu gehen. Dort hat man offensichtlich das Potenzial von "Online-Gästen" erkannt. In anderen Städten und Regionen sieht es hingegen bisher mau aus. Für Hotels ist ein kostenloses W-Lan mit der Google-Änderung nicht nur Kür, sondern Pflicht! Nicht zuletzt, weil die Umsetzung denkbar einfacherer ist. Wer als Hotelier also jetzt noch darauf beharrt, eine Gebühr für Internet zu erheben, den könnte man genauso gut fragen, was der Liter Leitungswasser kostet. Denn jeder Gast, der über seinen Urlaub oder ein Hotel berichtet betreibt durch den neuen Google Algorithmus damit Marketing für die Destination oder das Hotel.

Teilen leicht gemacht!

Um Inhalte leicht teilen zu können, kann Near Field Communication (NFC) als „enabler“ Technologie dienen. Bisher müssen Gäste, um Bewertungen abgeben zu können, erst das entsprechende Profil bei HolidayCheck oder in den Google Places recherchieren. Auch in diesem Bereich investiert Google in die Verbreitung von NFC Tags (Stichwort Outernet). Damit können Restaurants, Hotels, etc. einfach durch das „wischen“ über den NFC Tag (ähnlich wie bei QR-Codes) aufgerufen und Fotos und Bewertungen leicht geteilt werden.

Service ist das Gebot der Stunde (und darüber hinaus)!

Damit die geteilten Inhalte aber auch positiv sind, muss der Service stimmen. Was für Hotels selbstverständlich ist bzw. sein sollte, ist bei den Destinationen noch nicht ganz angekommen. Die Erreichbarkeit eines Mitarbeiters im Hotel ist in der Regel rund um die Uhr Garantiert. Die Touristeninformation schließt jedoch - wenn’s gut läuft - um 18 Uhr. Der Gast hat aber auch nach den Schließzeiten Fragen - meist häufiger als im Hotel. Diese sollten auch virtuell beantwortet werden können. Der kleine Ort Bad Hindelang macht hier mit einer digitalen Gästeinformation, die auch außerhalb von Schließzeiten erreichbar ist, eine Ausnahme. Auch hier kann NFC helfen, um ein besseres Erlebnis für den Gast zu schaffen. Denn neben bargeldlosem Ticketing und Bezahlsystemen wird dadurch auch das Aufrufen von weiterführenden Informationen zu touristischen Stätten vereinfacht. Frankreich investiert in diese Technologie derzeit übrigens massiv. Der Servicegedanke sollte in Zukunft für Destinationen in allen Bereichen zur Regel werden. Denn im Endeffekt bestimmt die Meinung der Gäste die Marke der Destination.

Wer sind die Meinungsführer?

Neben dem Servicegedanken steigt das Web-Monitoring auf eine neue Stufe. Dadurch, dass Google in der rechten Spalte Meinungsführer zu bestimmten Themen anzeigt, werden diese für Destinationen und Hotels deutlich wichtiger. Neben dem Pro-Aktiven Umgang mit Bewertungen, sollten also auch die Social Media Affinität der eigenen Gäste bekannt sein. Nur dann kann man entsprechend auf die Gäste zugehen. Der Impact des jeweiligen Gastes kann dabei auch mit dem „Social Ranking Tool“ Klout abgelesen werden.

Und Intermediäre?

Die spielen eine immer untergeordnetere Rolle. Eine der Kernkompetenzen der Reisemittler war es bisher, Inhalte neu zusammen zu stellen und auffindbar zu machen. Google geht jetzt weiter: Beim Suchen nach „London Hotel“ oder „London Sightseeing“ werden künftig sogar persönlich relevante Inhalte von Freunden zusammengestellt. Damit verlieren selbst Gogobot und oder die aus der Kooperation von TripAdvisor und Facebook entstandenen TripFriends an Bedeutung. Und plötzlich kann die Änderung auch Relevanz für Nischenanbieter haben...




Veröffentlicht von: Johannes Storch


Johannes ist bei uns für das Community Management, die Betreuung unserer Teilnehmer des Lehrgangs Social Media Manager und zahlreicher Online-Seminare zuständig. Darüber hinaus arbeitet Johannes im Marketing und verantwortet die Pressearbeit und unseren Unternehmensblog. Nach seinem erfolgreichen Masterabschluss in Neuere Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg fand er Anfang 2012 den Weg zu uns. Johannes kommt aus Hockenheim und hat der Metropolregion Rhein-Neckar stets die Treue gehalten. In seiner Freizeit treibt Johannes viel Sport und trifft sich gerne mit Freunden.

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